tz, 20. Mai 2017 - Wir sind der Terminator

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

tz, 20. Mai 2017

Wir sind der Terminator

"Das Spiel in Heidenheim wird aus Sicht des 1860 nicht nur in den Füßen entschieden, sondern auch im Kopf. Die tz hat mit Motivationscoach Matthias Herzog gesprochen."

Herr Herzog, was würden Sie als Motivations-Coach vor dem Spiel in Heidenheim machen?

Herzog: Wichtig ist es, den Spielern positive Emotionen zu geben. Videos von den besten Szenen der Saison mit motivierender Musik unterlegt. Nach dem Motto: Wir sind der Terminator, wir pulvern alles weg! Mit Erfolgserlebnissen stärker machen und dafür die Schwächen der Gegner aufdecken. Es ist wichtig, eine gewisse Lockerheit reinzukriegen, man sollte es als Spiel wie jedes andere sehen. Umso mehr man sich auf die Situation fokussiert, dass es hier um alles geht, desto stärker verkrampfen die Spieler. Druck erzeugt Energie, aber da muss zwischen positiver und negativer unterschieden werden. Positive Energie ist Freude, Leidenschaft, Begeisterung - da können wir Topleistungen abrufen. Bei negativer Energie, also Druck und Angst, nur noch 60 Prozent! Außerdem sollte nicht davon gesprochen werden, dass man gegen den Abstieg spielt, sondern für den Klassenerhalt. Das ist ein positives Bild mit feiern, Liga halten und weiterhin gute Gehälter kassieren. Anstrebungs- statt Vermeidungsziele!

Ist das so wichtig?

Herzog: Schauen Sie sich die Aussagen von Tayfun Korkut von Bayer Leverkusen an. „Wir müssen abliefern!“, „Jeder weiß wie prekär die Situation ist“, „Bei jedem ist es angekommen“ - in zwei Sätzen hat er fünf negative Kommunikationen drin gehabt. Da brauchst du dich nicht zu wundern, wenn die Spieler wie Angsthasen über den Platz laufen.

Ist es gerade hinsichtlich von Motivationsreden, wie sie der Co-Trainer von Bielefeld kürzlich hielt, ein Problem, dass Pereira kein deutsch spricht?

Herzog: Das ist sehr ungünstig. Mit Dolmetschern geht viel verloren. Wichtig ist es dann, dass es kurz und knackig ist. Die Rede muss dann eher über die Emotionen kommen oder man sucht sich jemand anderes. Bei Bielefeld war es ja auch der Co-Trainer! Am besten einer, der schon eine lange Beziehung zu den Spielern hat.

Die meisten Spieler-Verträge gelten nicht für die dritte Liga. Ein Faktor?

Herzog: Das spielt eine Rolle - positiv oder negativ. Die Guten kommen eh irgendwo unter - für die kann es eine Chance sein, aus dem Vertrag rauszukommen. Andere Spieler müssen sich nochmal zeigen. Nicht nur für 1860 sondern auch andere Vereine. Auch hier kann es, abhängig vom Spieler, positiver und negativer Druck sein. „Ich will“ ist positiv - „Ich muss“ dagegen negativ.

Sollte vor so einem wichtigen Spiel bei der Aufstellung „Charakter“ den Vorzug vor „Qualität“ bekommen?

Herzog: Absolut! Das sieht man oft bei Jogi Löw, bei dem sich viele wundern, welche Spieler er einsetzt. Er achtet auf das Teamgefüge. Podolski ist da ein gutes Beispiel, der sehr wichtig für die Stimmung war. In einem Team ist eins plus eins nicht zwei, sondern drei oder vier. Indem sich die Spieler gegenseitig ergänzen, wird die Leistung multipliziert. Als Trainer ist es hier wichtig zu wissen: Wer kann und vor allem will kämpfen? Wer kann mit dem Druck umgehen? Gerade wenn es nicht läuft, braucht eine Mannschaft einen emotionalen Leader!

Interview: Florian Fussek

Quelle: https://www.tz.de/sport/1860-muenchen/motivationscoach-spricht-vor-abstiegsendspiel-fuer-tsv-1860-muenchen-im-interview-ueber-richtiges-vorgehen-8332263.html

Foto © Christina Pahnke / sampics

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