BVB in Frankfurt: Reus rastet im Interview aus – Sportpsychologe sieht Mentalitätsproblem - Westfälischer Anzeiger, 23. September 2019

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

Westfälischer Anzeiger, 23. September 2019

BVB in Frankfurt: Reus rastet im Interview aus – Sportpsychologe sieht Mentalitätsproblem

Marco Reus ist nach dem Remis des BVB in Frankfurt in einem Interview ausgerastet. Mentaltrainer Matthias Herzog erkennt darin auch etwas Gutes.

Marco Reus ist in einem Interview nach dem Remis des BVB gegen Eintracht Frankfurt ausgerastet. Zugegeben, die Frage des Sky-Reporters war provokant, es ging um Mentalität. Aber Reus offenbarte damit auch etwas: Es brodelt bei Borussia Dortmund. Das ist gut, meint der Sportpsychologe und Mentaltrainer Matthias Herzog.

"Er ist einfach generell einer, der zu ruhig ist. Das sind alles Schön-Wetter-Spieler. Da kommt dann eine Lethargie rein, wenn keiner den Mund aufmacht und dazwischenhaut", sagt Mentaltrainer Herzog. Der Ausraster von Reus im Interview nach dem Frankfurt-Spiel sei daher als eine Art Weckruf zu verstehen. "Er ist Kapitän und es ist gut, dass er reagiert", so Herzog im Gespräch mit dieser Redaktioon.

Allerdings erklärt das noch nicht, ob man Reus und dem BVB auch tatsächlich ein Mentalitätsproblem vorwerfen kann. EX-BVB-Coach Peter Bosz sagte unlängst dem Magazin 11Freunde, dass Mentalität immer dann einer Mannschaft abgesprochen werde, wenn man keine spielerische Erklärung für einen Punktverlust hätte. Sein Nachfolger bei Borussia Dortmund, Lucien Favre, zeigte eine ähnliche Reaktion im Interview nach dem Spiel in Frankfurt.

Herzog sieht das anders. Er unterstellt Borussia Dortmund tatsächlich ein Problem mit der Mentalität in dieser Hinsicht. "Viele Spieler verstehen vielleicht nicht, dass man immer sein Bestes geben muss. Manche sind sich zu sicher, dass die drei Punkte auch sicher sind. Da muss man es aber durchziehen und den Gegner pulverisieren, damit der nächste Gegner Angst hat", erklärt der 42-Jährige. Reus zeigte mit seinem Interview-Ausraster in Frankfurt, dass er dazu in der Lage ist, seine Mannschaft wach zu rütteln. Das muss er aber auch auf dem Platz tun.

"Nach dem Spiel gegen Barcelona dachte man vielleicht, es reichen 60 oder 70 Prozent. Da darf man aber nicht wie ein angeschossenes Reh ängstlich über den Platz laufen", lautet das Urteil von Herzog. Die Reaktion von Reus kam zu spät. Im Interview ließ der seinen Emotionen freien Lauf – nicht aber auf dem Feld. "Wenn nicht mal ein Reus als Kapitän bereit ist, sich das einzugestehen, warum sollte es dann ein anderer Spieler machen?", fragt Herzog.

Zudem könne Borussia Dortmund (noch) nicht mit dem Druck umgehen, meint der Mentaltrainer. Auch das würde der Ausraster von Reus im Interview offenbaren. "Beim BVB sind alle überragende Fußballer, aber es fehlt an Typen", meint Herzog. Mats Hummels – der gegen Frankfurt verletzt ausgewechselt werden musste – ist so ein Typ. "Aber nur für hinten. Der BVB bräuchte noch einen dominanten Anführer, der vorne vorangeht. Da muss man sich ja nur mal den Robert Lewandowski angucken beim FC Bayern München", sagte der Sportpsychologe. Der BVB wird sich also noch weiter mit der Mentalitätsdebatte beschäftigen müssen.

Heftige Kritik: Hat der BVB ein Mentalitätsproblem? Reus rastet aus, Favre winkt ab

Bericht vom 22. September, 21.26 Uhr: Frankfurt/Dortmund – Borussia Dortmund hat bei der SG Eintracht Frankfurt eine 2:1-Führung verspielt und am Ende nur einen Punkt aus der Main-Metropole mitgenommen. Nach dem Spiel musste sich BVB-Kapitän Marco Reus die Mentalitätsfrage stellen lassen und rastete aus im Interview.

"Das geht mir so auf die Eier mit euch. Mit eurer Mentalität-Scheiße", sagte Reus dem Sky-Reporter nach Abpfiff im Interview und stellte klar, was er von Mentalität hält. "Das 2:2 war ein Mentalität-Problem? Jede Woche immer dieselbe Kacke. Wir ziehen es einfach nicht durch. Das hat nichts mit Mentalität zu tun", so Reus. Kurz vor Schluss hatte Thomas Delaney einen Schuss unhaltbar abgefälscht bei einem missglückten Klärungsversuch (bei uns im Ticker zum Nachlesen). Für Reus war klar: "Da müssen wir einfach in den letzten fünf Minuten besser dagegen halten."

"Natürlich sind wir enttäuscht. Wir hatten große Möglichkeiten, mehr Tore zu machen – vorallem in der ersten Halbzeit", sagte Coach Lucien Favre im Anschluss der Partie Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund auf der Pressekonferenz. Reus hatte zuvor bereits im Interview gesagt: "Wir müssen die Chancen nutzen und dann das 3:1 machen. Das Problem war halt ansonsten nur, dass wir das 2:1 nicht über die Bühne gebracht haben." Also doch kein Mentalitätsproblem beim BVB?

BVB wird mangelnde Mentalität vorgeworfen – Coach Favre winkt ab

Ein großes Wort ist es in der Tat. Für Favre bedeutet es auch etwas anderes, er winkte ab. "Das hat nichts mit Mentalität zu tun", sagte der Trainer von Borussia Dortmund ebenfalls bei Sky. Andere Dinge, "viele Details", hätten letztendlich zum Unentschieden und dem doppelten Punktverlust geführt.

Harschere Kritik gab es da hingegen von BVB-Sportdirektor Michael Zorc. "So keine Spitzenmannschaft", zitiert ihn die Funke Mediengruppe. "Seiner Ansicht nach hat die Mannschaft die Punkte in der ersten Halbzeit liegen lassen, weil sie gegen einen Gegner, der am Boden lag, nicht konsequent auf ein zweites Tor spielte", heißt es dort. Das wiederum zieht zumindest in Richtung Sieger-Mentalität aber. Der Wille, unbedingt zu gewinnen, scheint den Dortmundern zu fehlen.

Borussia Dortmund lässt Punkte bei Eintracht Frankfurt liegen – mehrere Gründe waren ausschlaggebend

Und ja: Borussia Dortmund hat gegen Eintracht Frankfurt Punkte liegengelassen. Nach einem ärgerlichen Eigentor von Thomas Delaney, der eigentlich eine gute Partie mit Axel Witsel auf der Doppelsechs abgeliefert hatte, in der Schlussphase. Das war aber nicht ausschlaggebend

Der BVB legte sich zu Beginn der Partie die Dreierkette der SGE clever zurecht, kam über den Flügel und wollte dann hufeisenförmig durch die Mitte brechen – oder suchte direkt die Flanke.

Das funktionierte auch ganz gut. Aber Fußball ist eben nicht nur Angriff. Und hinten hatte der BVB zwischenzeitlich Schwierigkeiten. Ballverluste in der eigenen Hälfte, ungewohnte Unsicherheiten stellenweise. Das gab den hoch attackierenden Frankfurtern Möglichkeiten. Frech, wie man mit den SGE-Fans im Rücken eben auftreten sollte.

Nach Unentschieden bei Eintracht Frankfurt:
Borussia Dortmund sieht sich Mentalitätsdebatte ausgesetzt

Zudem hatte der BVB Probleme im Mittelfeld, eine Schnittstelle fehlten. Die Lösung: Favre hätte eher Mario Götze in die Partie schmeißen können. Der holt sich als falsche Neun gerne den Ball in den Schnittstellen der Ketten ab, schafft so Räume – und ist technisch stark genug,

um einen Ball zu halten unter Druck.

Am Ende fasste Favre allerdings das Spiel auch gut zusammen bei Sky. „Es waren viele Details“, sagte der akribische Schweizer. Und was man nicht vergessen darf: Der BVB holte einen Punkt. In Frankfurt. Es gab schon schlechtere Leistungen. Zumal in Mats Hummels auch noch der Abwehrchef verletzt ausgewechselt werden musste. Dennoch kommen jetzt schwierige Tage auf den Vizemeister zu. Man wird sich erneut mit dem Thema Mentalität und Titelrennen

konfrontiert sehen.


Quelle: Maho , Westfälischer Anzeiger

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