Warum Kovac jetzt 408 000 Watt gefährlich werden - bild sport, 24. April 2019

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

bild sport, 24. April 2019

Warum Kovac jetzt 408 000 Watt gefährlich werden

„Das wird in Bremen, wenn das Licht angeht, ein anderes Spiel werden, ein schwieriges Spiel.“ Bayern-Trainer Niko Kovac (47) nach dem 1:0 in der Bundesliga gegen Werder – und vor dem Pokal-Halbfinale in Bremen.

Heißt es heute: Licht an! Bayern raus?

So wie Glocken von Kirchtürmen zum Gebet läuten, so leuchten die von Weitem sichtbaren Flutlichtmasten den Weg zum Weserstadion.

Bremen ist (neben Nürnberg und Freiburg) das letzte Bundesliga-Stadion, das noch diese wunderbaren Leuchttürme besitzt.

Die 61 Meter hohen Masten, die über dem Tribünendach thronen, sollten eigentlich beim Umbau abgerissen werden. Doch als die Pläne an die Öffentlichkeit drangen, protestierten die Fans, und Werder akzeptierte den Wunsch. So behielt die Hansestadt ihr Fußball-Wahrzeichen.

Die vier Masten besitzen jeweils 51 Strahler mit je 2000 Watt: Macht zusammen 408 000 Watt, die gegen die Bayern für die nötige Extra-Energie sorgen sollen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt (36): „Du siehst die Flutlichtmasten schon aus dem Hotel und freust dich einfach.“

Mythos Flutlicht! Warum haben wir generell das Gefühl, dass die Stimmung im Stadion mitreißender ist? Die Spiele schneller und besser sind?

► Die einfache Erklärung: Weil es oft K.o.-Spiele sind, bei denen es kein Taktieren gibt. Zum Beispiel in der vergangenen Woche: die Himmelsstürmer von Ajax Amsterdam, die epische Champions-League-Schlacht Manchester City gegen Tottenham (4:3), die Frankfurter Aufholdjagd – alles unter Flutlicht.

Der Bundesliga-Samstag im strahlenden Sonnenschein war dagegen mau.

► Die Theater-Erklärung: Weil das Spielfeld im gleißenden Licht und der Rest in schwarzer Nacht liegt. Der Rasen ist wie eine Bühne im Theater, auf die alle schauen und durch nichts anderes abgelenkt werden. Die Fans fiebern viel intensiver mit.

► Die Blendungs-Erklärung: Weil die Spieler bei künstlichem Licht viel konzentrierter sein müssen. Die Sonne blendet nur von einem Punkt, die Lampen an Masten oder am Stadiondach dagegen rundherum.

Sportpsychologe Matthias Herzog (42) zu BILD: „Flutlichtspiele sind für die Augen komplett anders. Das ist ein spezielles Licht, das in jedem Stadion anders ist. Gerade wenn es wie in Bremen alte Flutlichtmasten sind. Da sind viele Dinge entscheidend, der Winkel des Lichts und wie es blendet. Das Heimteam ist das gewohnt. Die Augen sind neben dem Fuß ja sehr wichtig im Fußball.“

► Die Verdauungs-Erklärung: Weil die Spieler abends kein Mittagessen mehr verdauen müssen. Kovac sagt: „Nachmittags, da isst man um 12 Uhr. Dann muss das erst mal verdaut werden, und man muss um halb vier Höchstleistungen bringen. Für mich persönlich waren Abendspiele immer das Schönste. Da kommen auch die besten Spiele raus.“

Der Mythos Flutlicht von Bremen. Gerade im Weserstadion gab es die unvergesslichen Nacht-Schlachten. 1987 das 6:2 n.V. gegen Spartak Moskau oder 1988 das 5:0 gegen Dynamo Ost-Berlin.

1993 den vorentscheidenden Sieg in der Meisterschaft – mit 4:1 gegen Bayern.

Heute also wieder: Licht an! Bayern raus?

Quelle: Bild, von: Walter M. Straten, Markus Balczuweit, Heiko Niedderer

Foto: nordphoto

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