bild.de, 07. Mai 2017

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

bild.de, 07. Mai 2017

Tuchel und Watzke? Das kann nur ein Mediator kitten!

Dortmund-Trainer Thomas Tuchel (43) siegt sich mit dem 2:1 gegen Hoffenheim wieder auf einen direkten Champions-League-Platz, träumt außerdem vom Pokalsieg gegen Frankfurt (27. Mai in Berlin).

Doch der sportliche Erfolg wird von seinem Konflikt mit Klub-Boss Hans-Joachim Watzke (57) getrübt.

Darum geht's zwischen Tuchel und Watzke

In einem Interview mit der „Funke Mediengruppe“ erklärt Watzke, zwischen ihm und Tuchel habe es einen „klaren Dissens“ gegeben, was die Neuansetzung des Champions-League-Spiels gegen Monaco (2:3) unmittelbar nach dem Bomben-Anschlag auf den BVB-Bus betraf. Watzke hatte damals die schnelle Neuansetzung befürwortet, Tuchel hatte den Termin am Abend nach dem Attentat harsch kritisiert.

Im Gespräch mit Sky (unmittelbar vor dem Anpfiff gegen Hoffenheim) antwortet Tuchel zerknirscht: „Großes Thema für einen Spieltag. Drei Spieltage vor Schluss im direkten Duell um die Champions League erlaub ich mir als Trainer das als zu großes Thema anzuerkennen. Ich verbiete mir darauf einzugehen. Es stehen zu viele wichtige Dinge an. Ich nehme dazu keine Stellung. Es geht mir darum, dass wir unsere sportlichen Ziele erreichen. Es darf jetzt kein Thema sein. Es gibt so viel zu erreichen. Das ist so schon schwer genug.“

Tuchel später im ZDF-Sportstudio: „Ich habe es ganz bewusst ausgeblendet. Natürlich willst du am Spieltag möglichst Ruhe haben. Deswegen haben wir es ausgeblendet. Es kann eine absolute Top-Saison werden. Aber dafür dürfen wir uns nicht ablenken lassen.“

Wie geht es nun weiter?

Der volle Fokus von Tuchel und seiner Mannschaft liegt darauf, an den letzten beiden Spieltagen (in Augsburg und gegen Werder) Platz drei zu verteidigen oder sogar noch Platz zwei zu erobern. Und nach zuletzt drei verlorenen Endspielen endlich wieder den DFB-Pokal zu gewinnen.

Aber wie funktioniert das angesichts der Spannungen zwischen Klub-Führung und Trainer?

BILD sprach mit dem Sportpsychologen Matthias Herzog (40)* über den BVB-Konflikt.

BILD: Sollten beide jetzt nicht aufeinander zugehen? Oder hilft bei so tiefgreifenden Problemen zwischen Firmenchef und seinem Angestellten doch nur die Trennung?

Matthias Herzog: „Aufeinander zugehen wäre jetzt sehr wichtig, um die Zusammenarbeit zu einem guten Abschluss zu bringen. Das Verhältnis beider scheint mir jedoch soweit gestört, dass es entweder bereits nach dieser Saison oder spätestens 2018 zur Trennung kommt, wobei die Trennung hier klar von Watzke ausgehen wird. Watzkes aktuelles Verhalten deutet klar auf eine Trennung zum Ende dieser Saison hin. Watzke betont in vielen Interviews, wie wichtig ihm das Vertrauen in der Zusammenarbeit ist. Und das scheint stark gestört zu sein.“

BILD: Brauchen die beiden Hilfe von außen? Könnte ein Mediator das Verhältnis kitten?
Matthias Herzog: „Das Verhältnis zwischen Watzke und Tuchel kann nur mit Unterstützung eines Mediators angegangen werden. Dafür braucht es jedoch die Bereitschaft beider Parteien. Beide haben jedoch hohe Rotanteile als Machertypen. Diese gelten von Hause aus als eher beratungsresistent. Beide beanspruchen für sich den „Gottstatus“. Und Gott akzeptiert bekanntlich keine Götter neben sich.“

Am Tag nach den neuen Reibereien erlebten Beobachter in Dortmund einen in sich gekehrten Thomas Tuchel. Vergeht auch ihm langsam die Lust am Theater mit seinem Chef?

*Matthias Herzog ist Sportpsychologe und Motivationstrainer. Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur, Extremsportler und Persönlichkeits-Experte betreut Topmanager großer Konzerne, viele Fußball-Bundesligisten und seit dieser Saison auch Drittligist FC Magdeburg. 

Foto: Alex Gottschalk/DeFodi.de

Quelle: http://www.bild.de/bild-plus/sport/fussball/borussia-dortmund/tuchel-watzke-kann-nur-ein-mediator-kitten-51628740,view=conversionToLogin.bild.html

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