bild.de, 12. April 2017

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

bild.de, 12. April 2017

„Spieler mit Trauma können nicht spielen!“

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB, ein unglaublicher Schock für die Dortmunder vor dem eigentlich für Dienstagabend angesetzten Spiel gegen AS Monaco.

Schon am Mittwochabend, 24 Stunden nach dem Vorfall, wird die Partie in der Champions League nachgeholt.

Was bedeutet das für die Spieler? Was für Trainer Thomas Tuchel? BILD sprach mit Matthias Herzog (40), Sportpsychologe aus Hannover.

BILD: Herr Herzog, ist es aus psychologischer Sicht sinnvoll, das Spiel nur 24 Stunden nach dem Vorfall zu wiederholen?

Matthias Herzog: „Es hat seine gute und schlechte Seite. Gut ist: Die Spieler haben kaum Zeit, sich lange damit zu beschäftigen. Sie müssen schnell zur Normalität zurückkehren und sich wieder vorbereiten. Das lenkt ab! Denn: Je mehr man sich mit den Vorfällen beschäftigt, desto mehr Angst kann ausgelöst und desto stärker kann ein mögliches Trauma werden. Wenn Spieler wirklich traumatisiert sind, wird es schwer, das Ereignis so schnell zu verarbeiten. Hier ist sofortige psychologische Unterstützung durch Experten wichtig, damit die Spieler den Anschlag schnellstmöglich als 'geschehen' abhaken.“

Was ist jetzt die beste Strategie für die Spieler, die Geschehnisse zu verarbeiten?

Herzog: „Traumatherapie bei den Spielern, die stärker betroffen sind. Ansonsten Normalität in der Form, dass sich die Spieler auf das Spiel vorbereiten und möglichst wenig mit den Mitspielern und Angehörigen über den Vorfall gesprochen wird. Beachtung bringt immer Verstärkung und würde nur die Angst erhöhen. Es braucht eine lockere Stimmung durch Musik, vielleicht einen Film, andere Sportarten. Alles, was zu einer gewissen Normalität führt.“

Würden Sie Spieler beim Spiel außen vor lassen, wenn sie zu sehr mitgenommen sind?

Herzog: „Spieler mit Trauma können nicht spielen. Wenn ein Akteur nur leicht verängstigt ist, dürfte es ihm helfen, ihn spielen zu lassen. Das gibt ihm selbst sofort das Gefühl zurück: Der Anschlag hat nichts verändert.“

Was raten Sie Trainer Thomas Tuchel?

Herzog: „Er muss das Thema natürlich im Laufe des Tages ansprechen und er wird sich vorher mit Sicherheit von Experten beraten lassen. Wichtig ist aber, schon tagsüber darüber zu reden, nicht in der Kabine vor dem Anpfiff! In der Kabine gilt es eine positive, lockere Stimmung zu schaffen. Da braucht es eher motivierende Musik und Videos, die die Spieler in einen Topzustand bringen. So lässt sich einigermaßen erreichen, den Vorfall für zwei Stunden ausblenden, so schlimm es auch ist.“

von: MAX WESSING
Foto: STR/EPA/REX/Shutterstock

Quelle: http://www.bild.de/bild-plus/sport/fussball/borussia-dortmund/sportpsychologe-analysiert-dortmund-situation-51262348,view=conversionToLogin.bild.html

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