Darum gibt's bei Bayern immer eine Packung! - bild.de, 26. Februar 2017

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

bild.de, 26. Februar 2017

Darum gibt's bei Bayern immer eine Packung!

Sport-Psychologe erklärt den Klatschen-HSV

Gegentore ohne Ende! Nicht den Hauch einer Chance! Teilweise amateurhaftes Abwehrverhalten! Wie kann das eigentlich immer passieren? BILD fragte den Sportpsychologen Matthias Herzog (40)* aus Garbsen bei Hannover.

BILD: Herr Herzog, wieso glauben die HSV-Spieler eigentlich jedes Jahr von Neuem an einen Erfolg bei den Bayern?

Matthias Herzog: „Man hat nur eine Chance, wenn man dran glaubt oder wenn man sich es wenigstens einredet. Das ist die einzige Strategie die man haben kann. Gisdol hat es ja geschafft, die Spieler stark zu reden – für knapp 20 Minuten hat es gereicht. Aber sobald dann ein Tor fällt, kommen die alten Gedanken wieder hoch. Und schon beim zweiten Tor lassen sie sich komplett hängen, dann stimmt es mit der Einstellung überhaupt nicht mehr.“

BILD: Glaubt ein Sportler an das Gesetz der Serie? Also auch an das einer Negativ-Serie?

Matthias Herzog: „Das Witzige ist, dass jetzt Spieler dabei sind, die früher gar nicht dabei waren. Das heißt also, man steckt die Neuen gleich mit an. Man fährt da schon mit dem Glauben hin: Wenn wir ein Gegentor bekommen, dann gibt es wieder eine Klatsche. Im Profibereich sind 80 Prozent die Psyche. Das wusste schon Boris Becker: Ein Spiel wird zwischen den Ohren gewonnen.“

BILD: Es steht 0:3 zur Halbzeit, das Spiel ist quasi verloren. Wie packt ein Trainer da die Mannschaft an?

Matthias Herzog: „Die einzige Chance ist dann, noch einmal zurückzublicken auf die vergangenen Erfolge. Leverkusen, Köln und Leipzig: Was hat uns da ausgezeichnet? Man zeigt den Spielern Szenen der Erfolgserlebnisse aus den letzten Wochen. Oder man denkt ans Hinspiel zurück, da war es eine ganz enge Kiste. Ziel könnte es dann zum Beispiel sein, die zweite Halbzeit zu null zu spielen. Zu schauen, was gut gelaufen ist – und darauf aufzubauen.“

BILD: Was fehlt dem HSV in so einem Spiel wie gegen die Bayern?

Matthias Herzog: „Das Schlimme bei Hamburg allgemein ist ja: Sie haben keine Typen auf dem Platz. Da streiten sich Spieler um den Elfmeter und verschießen den dann.Die Einstellung ist das Schlimmste: Wenn ich rausgehe und das Beste gebe, dann brauche ich mir hinterher keine Vorwürfe zu machen, selbst wenn es schief gehen sollte. Nur von dem Anspruch, ihr Bestes zu geben, waren die HSV Spieler meilenweit entfernt.“

BILD: Wird auf dem Platz auch zu wenig geredet?

Matthias Herzog: „Wenn es gut läuft, dann wird kommuniziert. Wenn es schlecht läuft, dann hält jeder die Klappe. Das ist nicht nur beim HSV so. Deshalb sage ich Spielern auch immer: Rede trotzdem positiv, dann spielst du auch besser! Eigentlich haben sie beim HSV ja einen Mentaltrainer, der die letzten Wochen gute Arbeit geleistet hat. Aber gegen Bayern ist da jedenfalls wieder was gehörig schief gelaufen.“

BILD: Kann es passieren, dass einem Spieler beim Stand von 0:3 schon alles egal ist?

Matthias Herzog: „Es sind spezielle Typen, die immer bis zum letzten Moment an den Sieg glauben. In der Psychologie sind das die „roten“ Typen. Sie sind schmerzfrei und wollen immer gewinnen. Das sind Spieler wie Kahn, Effenberg, Sammer, Matthäus. Das sind die Optimisten im Sport. Beim HSV gibt es diese Typen nicht. Das sind alles nette Jungs, die sich alle eher verstecken, wenn es darauf ankommt. Sie ergeben sich ihrem Schicksal, dann gehen sie unter.“

BILD: Für das nächste Auswärtsspiel bei den Bayern – was raten Sie dem HSV? Gar nicht antreten? Alle elf Spieler auf die Torlinie stellen?

Matthias Herzog: „Sie haben im Endeffekt nur eine Chance, wenn sie das Spiel mitspielen, aber auch stabil verteidigen. Und sie müssen wohl auf eine gewisse Arroganz der Bayern hoffen. Gegen den HSV haben sie allerdings immer eine besondere Spielfreude. Was dem HSV vielleicht helfen könnte: Das Spiel in kleine Etappen einteilen. Zunächst eine Viertelstunde zu null bleiben, dann eine halbe Stunde, dann eine Halbzeit...“

*Matthias Herzog ist Sportpsychologe und Motivationstrainer. Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur, Extremsportler und Persönlichkeits-Experte betreut Topmanager großer Konzerne, viele Fußball-Bundesligisten und seit Neuestem auch Drittligist FC Magdeburg.

Quelle: bild.de

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