bild.de, 27. April 2017

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

bild.de, 27. April 2017

Der BILD-Psycho-Check: Hält Klitschko dem Mega-Druck stand?

Ist es der letzte Kampf seiner großen Karriere?

Am Samstag kämpft Wladimir Klitschko gegen Anthony Joshua um den WM-Titel – und gegen einen Großteil der 90 000 Box-Fans im Londoner Wembley-Stadion. Wie hält er diesen Psycho-Druck aus?

Die gesamte Karriere von Wladimir Klitschko hängt von diesem einen Kampf ab
Diese Belastung ist härter als jeder Schlag!

Für Wladimir Klitschko (41) geht es am Samstag (23 Uhr, RTL und BILD.de-Liveticker) gegen Anthony Joshua (27) nicht bloß um den WM-Gürtel. Es geht um mehr. Es geht um seine Zukunft. Seine gesamte Karriere hängt von diesem einen Kampf ab.

Wie hält Klitschko dem Mega-Druck Stand?

90 000 verrückte Box-Fans im Wembley-Stadion. Zuschauer-Rekord auf der Insel. Die größtmögliche Kulisse für das neue Idol der Engländer. Fast alle in der Arena wollen Joshua siegen – und Klitschko am Boden sehen. Es wäre nach der Niederlage gegen Tyson Fury im November 2015 die zweite in Folge. Und womöglich die letzte...

Doch genau die Niederlagen waren es, die Klitschko immer stärker gemacht haben!

►1998, als er gegen Ross Purrity total überpaced hat (Technischer K.o. in Runde 11).

►2003, als er gegen Corrie Sanders mehrere Male am Boden war. Ihn komplett unterschätzt hat (Technischer K.o. in Runde 2).

►2004, als er gegen Lamon Brewster verliert (Technischer K.o. in Runde 5) – aus bis heute mystischen Gründen. Klitschko damals: „Nach der ersten Runde schon habe ich mich wie nach elf Runden gefühlt.“

Und eben 2015. Gegen den unorthodox kämpfenden Fury.

Nach 68 Fights weiß Klitschko, was im Ring alles passieren kann. Hat gelernt, mit dem Druck umzugehen.

Er sagt: Mein größter Gegner bin ich selbst.“ Sein größter Unterstützer: Bruder Vitali, der ihm immer den Rücken stärkt. Hilft, mit dem Druck umzugehen.

Klitschko hat seit dem Drama von Düsseldorf keinen Kampf mehr bestritten. Alles auf den Fight in London ausgerichtet. Seine Frau Hayden und Tochter Kaya seit zwei Monaten (!) nicht gesehen. Klitschko lebt seit Wochen in seiner ganz eigenen Welt. In der sich alles nur um Joshua dreht. Zerbricht ein Mensch daran nicht?

Sport-Psychologe Matthias Herzog erklärt: „Klitschko ist eine Mischung aus Macher-Typ und Perfektionist. Er will immer ganz nach oben. Typen wie er sind oft Einzelgänger. Die brauchen in Phasen wie jetzt nicht einmal ihre Familie. Die würde sie nur ablenken! Mit seinem Bruder ist das etwas anderes. Der tickt genau wie er, kann ihn dadurch unterstützen, indem sich beide nur auf eine Sache fokussieren – den perfekten Box-Kampf.“

Und weiter: „Bei diesem Kampf spielen viele Faktoren mit rein. Klitschko weiß, dass es sein letzter Kampf sein könnte. Er weiß, dass er in einem anderen Land – in dem Land, aus dem sein letzter Bezwinger kam. Das ist ein erschwerender Faktor. Aber: Klitschko hat sehr viel Erfahrung, kann mittlerweile besser mit Druck umgehen als früher.“

Herzog: „Die große Frage ist, wie er den Druck wahrnimmt. Denn er ist extrem. Bei einer Niederlage wäre seine Karriere 'versaut'. Nicht unbedingt aus Sicht seiner Fans. Aber für ihn als Profi-Sportler wäre es schlimm, wenn er auf einem Level aufhört, das nicht sein Anspruch ist. Ähnlich wie damals bei Michael Jordan.“

Er warnt: „Wenn Sportler Druck als belastend empfinden, können sie nur noch 60 Prozent ihrer Leistung abrufen. Nur, wenn sie damit umgehen können und Spaß und Begeisterung spüren, erreichen sie ihr Top-Level.“

Hoffentlich schafft Klitschko gegen Joshua genau das!

*Matthias Herzog ist Sportpsychologe und Motivationstrainer. Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur, Extremsportler und Persönlichkeits-Experte betreut Topmanager großer Konzerne, viele Fußball-Bundesligisten und seit dieser Saison auch Drittligist FC Magdeburg. 

Quelle: http://m.bild.de/bild-plus/sport/mehr-sport/wladimir-klitschko/haelt-er-dem-psycho-druck-stand-51485404.bildMobile.html?wt_eid=2149199931400787561&wt_t=2149270926200939523#remId=1564474673959664526

Artikel von: THOMAS DIERENGA und TIMM DETERING veröffentlicht am 27.04.2017

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