Sportbuzzer, 27. Juni 2021 - Das steckt hinter dem Rückstands-Problem des DFB-Teams

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

Sportbuzzer, 27. Juni 2021

Das steckt hinter dem Rückstands-Problem des DFB-Teams

Die deutsche Nationalmannschaft kassierte turnierübergreifend sieben Mal das erste Tor. Das letzte Führungstor stammt aus dem EM-Viertelfinale von 2016. Was macht das mit der Psyche von Neuer, Hummels, Kimmich und Co.?

Versuchen Sie mal, die drei Beteiligten des letzten Führungstreffers der deutschen Nationalmannschaft bei einem Turnier zu erraten. Gar nicht so einfach – denn es ist schon fast fünf Jahre her. Am 2. Juli 2016 setzte sich Mario Gomez im EM-Viertelfinale gegen Italien an der Außenlinie durch, passte den Ball zu Jonas Hector, der in der Mitte Mesut Özil zum 1:0 bediente. Sie erinnern sich?

Seitdem hat das DFB-Team ein Rückstandproblem. Zuletzt am Mittwochabend gegen Ungarn. "Erst geraten wir 0:1 in Rückstand, laufen hinterher. Dann kriegen wir postwendend nach dem 1:1 das 1:2 und laufen wieder hinterher", schimpfte Kapitän Manuel Neuer. Adam Szalai traf zur Führung, nach dem Ausgleich durch Kai Havertz fiel vom Anstoß weg das 1:2 durch Andras Schäfer. Hinterherlaufen wird mittlerweile zum deutschen Dauerzustand bei Turnieren. Unglaublich – in den vergangenen sieben Spielen gab es keinen Führungstreffer mehr.

Die Turnier-Rückstände der DFB-Auswahl

EM 2016, Halbfinale: Antoine Griezmann trifft in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nach einem Handspiel von Bastian Schweinsteiger per Strafstoß. Nach Griezmanns Tor ist das deutsche Aus besiegelt.

WM 2018, erstes Gruppenspiel: Der Auftakt der Katastrophen-WM in Russland. Ein Treffer von Mexikos Hirvin Lozano entscheidet das Spiel in der 35. Minute.

WM 2018, zweites Gruppenspiel: Ola Toivonen bringt Schweden in der 32. Minute in Führung, Marco Reus sorgt für den Ausgleich (48.). Dann hält Toni Kroos das deutsche Team mit seinem Traumfreistoß in der Nachspielzeit im Turnier.

WM 2018, drittes Gruppenspiel: Der GAU – das 0:2 gegen Südkorea bedeutet erstmals das WM-Aus nach der Vorrunde. Young-Gwon Kim (90.+3) und Heung-Min Son (90.+6) erzielen die späten Treffer.

EM 2021, erstes Gruppenspiel: Das Eigentor von Mats Hummels gegen Frankreich ist verantwortlich für die Auftaktniederlage gegen den Weltmeister. Chancen, die Partie noch zu drehen, kann sich das DFB-Team kaum erarbeiten.

EM 2021, zweites Gruppenspiel: Nach einer eigenen Ecke führt plötzlich Portugal, Cristiano Ronaldo trifft nach einem Lehrbuchkonter. Toni Kroos gibt rückblickend zu: „Als das 0:1 fiel, dachte ich: Geht das schon wieder los?“ Diesmal dreht das deutsche Team die Partie, gewinnt nach zwei Eigentoren sowie Treffern von Kai Havertz und Robin Gosens noch mit 4:2.

EM 2021, drittes Gruppenspiel: Schließlich musste die Mannschaft von Joachim Löw gegen Ungarn dem siebten Turnierrückstand in Folge hinterherlaufen.

"Das passiert, weil du nicht hellwach bist auf dem Platz. Immer wieder ins Hintertreffen zu geraten, das ist für den Kopf keine einfache Situation", weiß Sportpsychologe Matthias Herzog. "Man muss viel mehr Energie aufwenden und muss immer versuchen, diesen einen Moment für den Ausgleich zu erzwingen. Irgendwann bricht dir das dann das Genick." Gegen Ungarn wäre es fast soweit gewesen, hätte nicht Goretzkas Tor kurz vor Schluss das Achtelfinale klargemacht.

Das ständige Hinterherlaufen ist nicht das einzige Problem. Die Nationalelf ist nicht dicht genug. Mit fünf Gegentoren hat Deutschland von allen Teams in der K.-o.-Runde nach Portugal die meisten Gegentore kassiert. "Diese Vielzahl bei einem Turnier, das ist schwierig", grübelt Neuer, sieht aber auch das Positive. "Wir können uns nur verbessern." Das wird gegen England dringend nötig sein, denn der achte Turnierrückstand in Folge könnte der letzte sein – England kassierte bislang noch keinen Gegentreffer.

Quelle: Sportbuzzer
Autoren: Heiko Ostendorp und Tobias Manzke
Foto: © IMAGO/Laci Perenyi/MIS/privat (Montage)

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