„Das führte zur Kopf-Krise des FC Bayern“ - tz, 05. Oktober 2018

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

tz, 05. Oktober 2018

„Das führte zur Kopf-Krise des FC Bayern“

Stunk an der Säbener Straße. Nach drei Sieglos-Spielen in Folge hängt in der FCB-Kabine offenbar der Haussegen schief.

Wie die Bild berichtetet, ist Dauerreservist James sogar der Kragen geplatzt, „Wir sind hier nicht in Frankfurt“, soll der Kolumbianer hinter dem Rücken von Nico Kovac gesagt haben. Was neben den Einsatzzeiten und der fehlenden Spielidee ebenfalls für Ärger sorgen soll: Der Trainer redet mit einem Staff häufig Kroatisch. Was ist los im FCB-Hirn? Die tz geht mit Sportpsychologe und Motivationscoach Matthias Herzog auf Spurensuche.

■ Das Rotations-Problem:
Sechs Spiele ging die Kovac-Rotation gut, gegen Augsburg kam dann eine vermeintliche B-Elf nur zu einem Remis – der Anfang der Krise. Für Herzog ist der ständige Personalwech- sel ohnehin schlecht. Der Sportpsychologe: „Die Spieler werden nicht nach Leistung aufgestellt, son- dern es wird geguckt, wer gerade eine Pause braucht. Es geht auf die Stimmung, wenn Boateng, Hummels oder Müller spielen, ob- wohl sie vorher schwach waren.“ Der Leistungsgedanke wird ausgehebelt und die Motivation geht flöten. Herzog: „Du brauchst dich im Training und Spiel gar nicht reinzuhängen, weil du weißt, dass du beim naähsten Spiel wieder auf der Bank sitzen kannst – ganz egal, wie die Leistung ist.“ Genervte Stars wie James sind die Folge.

Der Experte: „Du hast missmutige Gesichter auf der Bank sitzen – und von dort sollte eigentlich Unterstützung kommen.“ Ein weiterer Aspekt, der ge- gen die Rotation spricht, ist das fehlende Vertrauen in den Nebenmann.

Herzog erklärt: „Im Moment können sich die Spieler nicht darauf einstellen, wer neben ihnen spielt. Das ist so, als wenn man jede Woche eine anderen Partnerin zu Hause sitzen hätte.“

Das (Führungs-)Spieler-Problem:
Gegen Berlin und Ajax ergab sich der Rekordmeister zu schnell in sein Schicksal, ein Aufbäumen war nicht zu erkennen. Dafür fehlen laut Herzog schlicht die Führungskräfte.
Er sagt: „Ich vermisse vor allem auf dem Platz die Führung. Neuer und Müller sind die Kapitäne, aber es passiert herzlich wenig.“ Gefragt sind Typen wie Bastian Schweinsteiger oder Mark van Bommel. Joshua Kimmich kommt derzeit noch am ehesten die Rolle des Anführers zu. Herzog: „Er spricht die Dinge am deutlichsten an - und ist erst 23.“ Gegen Amsterdam standen sage und schreibe sieben Spieler in der Startelf, die auch im CL-Finale 2013 begannen. Konstanz ja, zu viel davon ist laut Experte aber schädlich.

Herzog meint: „Heutiger oder vergangener Erfolg ist der größte Feind des morgigen Erfolgs. In München sagen die Spieler: ‚Es wäre schön, noch einmal die Champions League zu gewinnen. Aber wenn nicht, dann ist es auch nicht so schlimm.‘ Es fehlen die letzten Prozent, deswegen braucht ein Team immer wieder neue, junge Spieler.“

Das Trainer-Problem:
Beim FCB übernahm Kovac erstmals einen Weltklub, das bekommt er nun zu spüren.

Herzog: „Kovac muss jetzt einen klaren Plan haben. Sonst ist es wie bei einem Hund: Wenn du vor dem stehst und er deine Angst riecht, dann beißt er dir in die Wade. Genauso ist es bei den Spielern. Wenn die merken, dass der Trainer nicht selbstsicher ist, geht die Unsicherheit durch die ganze Mannschaft.“ Kovac müsse jetzt zum Leistungsprinzip zurück, darf auch die erfahrenen Stars nicht verschonen.

Herzog: „Es wäre extrem wichtig, wenn jetzt das Zeichen aus der Mannschaft kommt, dass sie den Trainer stärken wollen.“

Quelle: bild, jau

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