Sportbuzzer, 15. Juni 2021 - Darum kann Leroy Sané zum Problem im DFB-Team werden

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

Sportbuzzer, 15. Juni 2021

Darum kann Leroy Sané zum Problem im DFB-Team werden

Leroy Sané gehört zu den besten Fußballern im DFB-Team, mit dem Kopf wirkt er aber oft woanders. Sportpsychologe Matthias Herzog erklärt im SPORTBUZZER-Interview, warum ein Bankplatz in der Nationalmannschaft bei Sané gefährlich werden kann.

Matthias Herzog ist seit Jahren als Sportpsychologe und Mentalcoach tätig. Er arbeitete unter anderem mit den Handballern des THW Kiel und Ex-Bundesligist Hannover 96 zusammen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland, erklärt er, wo für die deutsche Nationalmannschaft bei der EM die Probleme liegen.

SPORTBUZZER: Herr Herzog, das letzte Turnier der Nationalmannschaft endete mit dem Aus in der Vorrunde in einem Desaster. Spielt die EM 2018 jetzt noch eine Rolle?

Matthias Herzog (44): Das ist sicher noch in den Hinterköpfen der Spieler und auch nicht ganz auszublenden. Dazu kommt, dass der Mannschaft einfach die Erfolgserlebnisse in den vergangenen Jahren fehlen. Ein 7:1-Sieg gegen Lettland ist kein Gradmesser. Es kommt auf die großen Spiele an und da gab es zu oft was auf die Nase, wie beim 0:6 in Spanien im vergangenen Jahr. Der Mannschaft fehlt aktuell die Leichtigkeit, um selbstbewusst in so ein Turnier zu starten. Die Zündschnur ist kurz – bei der Mannschaft und auch bei den Fans.

Ist ein angekündigter Rücktritt des Bundestrainers im Vorfeld da eigentlich förder- oder eher hinderlich?

Es wird so oder so Diskussionen geben. Scheitert das Team bei der EM früh, wird es darum gehen, ob es richtig war mit Joachim Löw überhaupt noch in das Turnier zu gehen. Wird es erfolgreich, werden viele traurig sein, dass er geht. Für die Spieler kann seine Ankündigung aber eine Extra-Motivation sein, um als Dank noch mal alles für ihn rauszuholen. Das kann ich mir gut vorstellen, denn das Verhältnis der Spieler zu ihm scheint intakt zu sein.

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Löw hat Thomas Müller und Mats Hummels zurückgeholt, das verschiebt auch intern die Hierarchie. Kann das für einzelne Spieler ein Problem sein?

Es kann schnell ein Problem sein, wenn einem ein Spieler vorgesetzt wird, der zusätzlich größeren Einfluss erhält. Nehmen Sie Joshua Kimmich als Beispiel. Der ist aufgrund seiner Leistung unantastbar, nun hat er aber mit Müller einen Spieler mehr im Team, der sehr anerkannt und wortstark ist. Das ist aber nicht das größte Problem für Kimmich.

Wie meinen Sie das?

Er ist ein Ausnahmespieler, der sicher in den nächsten 2-3 Jahren Kapitän der Nationalmannschaft wird. Dass er jetzt aber zwischen Positionen verschoben wird tut seinem Spiel nicht gut und kann für Frust sorgen. Eine feste Position mit einer festen Aufgabe ist wichtig – wenn ich die nicht habe, kann das zu schwächeren Leistungen führen.

Wie ist das, wenn man mit Leroy Sané einen Spieler hat, um dessen Leistungsbereitschaft es immer wieder Diskussionen gibt. Kann das intern zu Problemen führen?

Es ist Wahnsinn zu sehen, was er für ein Talent hat – und wie er es verschleudert. Nehmen Sie Kai Havertz als Beispiel. Das ist ein verlässlicher Spieler und das ist es, worauf es in einem Turnier und in so einer großen Gruppe ankommt. Sané wirkt oft angefressen und emotional sehr labil. Ihm scheint sein mehrere tausend Euro teurer Rucksack wichtiger zu sein als das Spiel. Er ist auf dem Platz ein Genie – der Wahnsinn, den er leider oft an den Tag legt, ist nicht kontrollierbar. Und wenn er dann nicht spielen sollte, kann ein fauler Apfel das ganze Team anstecken und für zusätzliche Unruhe sorgen. Da könnte es dann besser sein, ihn lieber nach Hause zu schicken. Das wäre allerdings sehr schade, weil er ein unglaublich starker Spieler ist.

Ein Start gegen den Weltmeister – ist das motivationstechnisch eigentlich hilfreich oder sogar hinderlich?

Das ist im Vorfeld schwer zu beurteilen. Endet das Spiel erfolgreich, dürfte das einen extremen Schub für die kommenden beiden Gruppenspiele und das Turnier geben. Geht das Spiel aber verloren, vielleicht sogar deutlich, kann das Team ganz schnell auseinanderbrechen. Aus der Erfahrung betrachtet ist es besser, auch für den Kopf, gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner zu starten, um ein Erfolgserlebnis zu haben. Doch dieses Mal hatten wir dieses Losglück nicht.

Quelle: Sportbuzzer
Autoren: Tobias Manzke
Foto: © IMAGO/Chai v.d. Laage/Privat (Montage)

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