„Beruflich Profi, im Privatleben Amateure“ - bild, 07. August 2018

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

bild, 07. August 2018

„Beruflich Profi, im Privatleben Amateure“

Als Sportler ganz oben, nach der Karriere steil nach unten...

Drogen, Alkohol und eine Festnahme – der brutale Absturz unserer Rad-Legende schockt seit dem Wochenende Sportfans auf der ganzen Welt!

In BILD kündigte unser einziger Tour-de-France-Sieger an, eine Therapie zu machen. Auch Ex-Rivale Lance Armstrong (46) bot ihm seine Hilfe an.

Aber das Drama um Ullrich ist kein Einzelfall!

Immer wieder bekommen Sporthelden nach ihrer Karriere im Privatleben Probleme. Manche verlieren, wie Ullrich, sogar komplett die Kontrolle über ihr Leben!

Fußball-Legende Diego Maradona (57/Drogen und Alkohol), Golf-Gigant Tiger Woods (42/Drogen, Alkohol, Sex-Skandale) oder Paralympics-Legende Oscar Pistorius (31/13 Jahre Haft wegen Totschlag) sind nur drei dramatische Beispiele...

Wie kann es sein, dass gerade erfolgreiche Sportler, die mit Talent, Fleiß und Disziplin in ihrer Karriere in die Weltspitze kamen, nach der aktiven Laufbahn scheinbar komplett die Kontrolle verlieren?

Motivationstrainer und Sportpsychologe Matthias Herzog zu BILD: „Beruflich Profi, privat Amateur. Gerade Sportlern wird während ihrer aktiven Karriere fast alles abgenommen. Die werden hofiert. Die brauchen nicht mal selbst denken. Trainingspläne und Termine werden vorgegeben. Die Sportler werden darüber hinaus noch vom Management gesteuert und werden schon fast wieder zum Kind, das nichts selbst entscheidet, wenn sie nicht aufpassen.“

Nach Ende der Karriere wird das Leben freier – und damit kommt manch ein Ex-Held dann nicht klar!

Herzog: „Die Sportler müssen vor allem ein neues 'Warum?' finden. Vorher war klar, wofür sie das machen, was sie machen. Jetzt brauchen sie aber neue Aufgaben und einen neuen Sinn des Lebens. Wird der nicht gefunden, beginnt der Absturz.“

Auch falsche Freunde im Umfeld können zum Absturz im Privatleben führen!

Herzog: „Als Person der Öffentlichkeit wirst du schnell ausgenutzt und am Ende mit Füßen getreten und allein gelassen, wenn dein Stern nicht mehr so hell leuchtet, weil die Karriere beendet oder einem Fehler passiert sind, die das Image ankratzen.“

Für besonders gefährlich hält Herzog außerdem das oft übergroße Selbstbewusstsein vieler Sportstars. Im Wettkampf ein großer Vorteil – nach der Karriere aber oft hinderlich. Der Sportpsychologe: „Wenn sich die Sportler dann noch für unbesiegbar halten und denken 'Das geht schon alles gut. Mir kann nichts passieren', wird die Blauäuigkeit schnell zum Problem.“

Im Fall Ullrich glaubt Herzog, dass er den Kampf gegen Alkohol und Drogen gewinnen kann: „Ihm könnte helfen, wenn er die Therapie wie die 21 Etappen der Tour de France sieht. Die Tour de France hat er regelmäßig gemeistert, dann bekommt er die Therapie auch hin. Zu Beginn der Tour war Ulle meist noch nicht in Form. Es fiel ihm stets schwer, in den Wettkampf rein zu kommen. In der zweiten und vor allem in der dritten Woche kamen seine starken Phasen. Ähnlich wird es ihm bei der Therapie gehen. Der Beginn ist schwer. Wenn er am Ball bleibt und auch die schweren Bergetappen der Therapie meistert, hat er gute Chancen.“

Quelle: https://www.bild.de/
Foto: picture alliance / Augenklick/Ro, STAR PRESS / KAY KIRCHWITZ

 

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