„Bei Dortmund geht das Kopfkino los“ - tz, 03. März 2019

Von Matthias Herzog, (Kommentare: 0)

tz, 03. März 2019

„Bei Dortmund geht das Kopfkino los“

Bei Dortmund geht das Kopfkino los
Sportpsychologe analysiert, warum Bayern im Vorteil ist
Was geschieht bei einer Mannschaft, die in zweieinhalb Monaten einen Neun-Punkte-Vorsprung verspielt?
Wie groß ist der Druck, wie gering das Selbstvertrauen? Imtz-Interview erklärt Sportpsychologe Matthias Herzog, warum der BVB die Meisterschaft so gut wie verspielt hat.

Herr Herzog, was spielt sich im Kopf der Borussia ab?
Herzog: Selbstzweifel plagen es. Jeder hat ein Déjà-vu mit der vergangenen Saison, als sie die Liga ebenfalls anführten, später jedoch von den Bayern eingeholt wurden – und jetzt geht das Kopfkino von vorne los. Jeder weiß, dass so eine Chance auf den Titel nicht so schnell wiederkommt. Und wer mit Angst an die Sache herangeht, ist von Natur aus nur bedingt
leistungsfähig.

An der Säbener Straße dürfte es gelassener zugehen.
Herzog: So ist es. Man sieht und spürt in jedem Spiel, dass die Truppe und der Trainer zusammenhalten – was diese Saison nicht immer der Fall war. Vieles hat auch mit der Person von Niko Kovac zu tun, der seine Herangehensweise verändert hat und dadurch das Vertrauen seiner Schützlinge wiedererlangt hat. Er schützt sie nach Fehlern, setzt Spiel für Spiel auf sie und bindet nun auch die jüngere Generation um Kingsley Coman, Serge Gnabry & Co. verstärkt mit ein. All das hat Konsequenzen auf seine Wahrnehmung in der Kabine.

Wie lässt sich diese Trendwende beim BVB erklären?
Herzog: Schonein einzelnes Erlebnis oder eine einzelne Partie kann im Kopf eines Menschen außergewöhnliche Konsequenzen haben. Nehmen wir das Elfmeterschießen des BVB  im Pokal gegen die Bremer. Paco Alcácer, jenerMann, auf den sich Dortmund die gesamte Hinrunde über verlassen konnte, vergibt den ersten Strafstoß. Die Borussia schied daraufhin
aus und konnte seitdem nur eines von fünf Spielen gewinnen. Hinzu kam die Demütigung
in der Champions League gegen Tottenham, die die Selbstzweifel in der Mannschaft ins Unermessliche haben steigen lassen. Bei den Münchnern hat eine Partie dagegen das  Gegenteil ausgelöst.

Und zwar?
Herzog: Das Spiel in Liverpool.
Dort haben die Bayern ihre bislang beste Saisonleistung abgeliefert und eine Menge Selbstvertrauen getankt, das sie jetzt auch in der Bundesliga von Sieg zu Sieg führt. Entscheidender wird allerdings das Rückspiel sein. Sollten die Bayern die Mannschaft
von Jürgen Klopp rausschmeißen, wird dieser Prestigeerfolg ihnen einen derartigen Schub verpassen, dass eine Saison, die bereits im Herbst abgeschrieben worden war, noch richtig erfolgreich enden könnte. Haben sich die Münchner in der Hinrunde noch gegenseitig
zerfleischt, lachen sie sich mittlerweile ins Fäustchen – der Unterschied zwischen beiden Szenarien liegt allein im Kopf.

INTERVIEW: LOP
Quelle: tz 03.02.2019

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